Berühmte Gäste und das Orakel des Aponus
Der Kult der Thermalwässer des Aponus entwickelte sich in der Römerzeit und wird mit einem Orakel in Verbindung gebracht, das nach Ansicht des lateinischen Schriftstellers Sueton, der in der Zeit von Ende des 1. Jh. n.Chr. bis Anfang des 2. Jh. n.Chr. lebte, von der mythischen Figur des Geryon verkörpert wurde: Er erinnert daran, dass der junge Tiberius und zukünftige Kaiser, der sich auf einem Feldzug nach Illyrien befand, einen Halt in der Nähe von Padua einlegte, um das Orakel über den Erfolg seines Feldzugs zu befragen. Das Orakel forderte ihn auf, die goldenen Würfel in die heilige Quelle des Aponus zu werfen, wobei er den höchsten Wurf erzielte. Diese Würfel, so erinnert Sueton, seien seinerzeit noch unter der Wasseroberfläche sichtbar gewesen.
Daraus geht hervor, dass es im Thermalgebiet zur Römerzeit ein organisiertes Heiligtum gab, dessen Mittelpunkt die heilige Quelle des Aponus bildete. Über diese Quelle und Votivgaben, welche in die Quelle geworfen wurden, berichtet auch der Dichter Claudian aus dem 4. Jh. n. Chr., der Aponus ein kurzes Gedicht widmete.
Sueton, Tiberius, 14: Et mox, cum Illyricum petens iuxta Patavium adisset Geryonis oraculum, sorte tracta, qua monebatur ut de consultationibus in Aponi fontem talos aureos iaceret, eventi ut summum numerum iacti a beo ostenderent; hodieque sub aqua visuntur hi tali.
“Ferner legte er auf seinem Weg nach Illyrien einen Halt in der Nähe Paduas ein, um das Orakel des Geryon aufzusuchen. Das gezogene Los empfahl ihm, die goldenen Würfel in die Quelle des Aponus zu werfen, wenn er seine Zukunft kennen wolle. Also warf er die Würfel und diese zeigten die höchste Zahl. Noch heute sind die Würfel auf dem Grund der Quelle zu sehen.”

Text von Prof. Paola Zanovello, Institut für Altertumswissenschaften, Universität Padua
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