Biomedizinische Forschung und Modelltiere
Die Verwendung von Modelltieren hat im Laufe der modernen menschlichen Geschichte zu zahlreichen wissenschaftlichen Entdeckungen beigetragen. Ihr Einsatz in der biomedizinischen Forschung und bei der Entwicklung neuer Arzneimittel wird durch die Ähnlichkeiten in der Physiologie und Anatomie zwischen Menschen und anderen Tieren, insbesondere Wirbeltieren und Säugetieren, erleichtert. In-vivo-Experimente beruhen auf dem Prinzip der vergleichenden Medizin, da die Tiere die physiologischen und pathologischen Prozesse des Menschen nachahmen (Mukherjee et al., 2022).
Zu den von Forschern weltweit am häufigsten verwendeten Modellen gehören Caenorhabditis elegans (Fadenwurm), Drosophila oder Fruchtfliege (Insekt), Danio rerio oder Zebrafisch (Fisch), Xenopus (Frosch) und verschiedene Säugetiere wie Katzen, Hunde, Schweine und Affen, wobei letztere aufgrund ihrer Nähe und Ähnlichkeit zum Menschen besonders häufig verwendet werden (Hickman et al. 2016).
Aber sind Tierversuche wirklich notwendig?
Die wissenschaftliche Forschung ist stark auf die Entwicklung neuer Techniken und Technologien ausgerichtet, die es ermöglichen, Tierversuche zu vermeiden; im biomedizinischen Bereich ist ihr Einsatz jedoch nach wie vor unerlässlich. Man denke nur an die Auswirkungen einer Therapie, die den gesamten Organismus betrifft und sich auf verschiedene Organe auswirkt; diese Auswirkungen können unmöglich allein durch Tests an bestimmten Zellen oder durch bioinformatische Simulationen bewertet werden. Aus diesem Grund sind Tierversuche bei der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen ein entscheidender Schritt, bevor klinische Versuche am Menschen durchgeführt werden. In jedem Fall hat das Wohlergehen der Tiere oberste Priorität, und die Forschung folgt dem Grundprinzip des Schutzes von Versuchstieren nach dem so genannten “3R-Prinzip” (MacArthur Clark, 2018):
- ERSATZ, d.h. das Ziel, die Tiere durch alternative Methoden zu ersetzen, im Auge zu behalten;
- REDUZIERUNG, d.h. die Minimierung der Anzahl der benötigten Tiere;
- VEREDELUNG, d. h. Verbesserung der Versuchsbedingungen, um das Leiden der Tiere zu verringern.
Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass in Italien die Verwendung von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken geregelt ist durch Legislative Decree No. 26 of March 4, 2014. Die europäischen Vorschriften sehen außerdem vor, dass zum Schutz der Tiere für jede in diesem Bereich tätige Einrichtung ein Tierschutzgremium ernannt werden muss. Dieses Gremium besteht aus einem Beauftragten für das Wohlergehen und die Pflege der Tiere, einem Tierarzt und einem wissenschaftlichen Mitglied. Die Aufgabe des Tierschutzgremiums besteht darin, Forschungsprojekte auf die Einhaltung nationaler, europäischer und internationaler Vorschriften hin zu überprüfen, das Nutzen-Schaden-Verhältnis zu bewerten, einen möglichen Ersatz durch alternative Methoden zu ermitteln und schließlich dem Gesundheitsministerium Projekte zur Genehmigung vorzulegen, wenn alle erforderlichen Anforderungen erfüllt sind.