Oscillatoria duplisecta ETS-06

Oscillatoria duplisecta ETS-06 ist ein fadenförmiges Cyanobakterium, das 2007 von Moro und Mitarbeitern beschrieben wurde und morphologische Merkmale aufweist, die identisch mit denen sind, die bereits 1817 von Pollini in den euganäischen Thermalquellen beobachtet wurden. Pollini beschrieb damals ein Organismus, den er Conferva duplisecta nannte, welcher später 1871 von Trevisan in Oscillatoria duplisecta umbenannt wurde. Laut Moro et al. entspricht der Stamm ETS-06 exakt der ursprünglichen Beschreibung, insbesondere in Bezug auf die Morphologie der Zellfilamente (Trichome).

 

Die Trichome von ETS-06 sind einige Zentimeter lang, gerade, zylindrisch, unverzweigt, mit abgerundeten Enden und mit bloßem Auge sichtbar aufgrund ihrer grün-braunen Färbung. Sie sind von einer sehr dünnen Hülle umgeben. Die Zellen, aus denen sie bestehen, sind breiter als lang, wie in Abbildung 1 zu sehen ist.

 

Abbildung 1. Bilder von Oscillatoria duplisecta ETS-06 unter dem Lichtmikroskop. Maßstabsbalken: 100 µm.

 

Der Stamm wurde aus Becken mit Thermalschlamm isoliert, in denen die Wassertemperatur während der Reifung etwa 40 °C betrug. Genetische Analysen zeigten eine Ähnlichkeit mit einer Gruppe von Cyanobakterien, die aus Flussgewässern in Thailand isoliert wurden. Trotz dieser hohen Ähnlichkeit führten morphologische und ökologische Unterschiede dazu, dass Moro und Andreoli ETS-06 als eigenständige Art betrachteten und ihr offiziell den Namen Oscillatoria duplisecta (Pollini) Moro et Andreoli gaben. Die genetische Sequenz (16S rDNA-Gen) ist in internationalen Datenbanken unter dem Code AM398647 registriert.

 

Die Art wurde auch mit Next-Generation-Sequencing-Techniken (Gris et al. 2020) in hoher Abundanz in Tonerden von Thermalbecken und -tümpeln nachgewiesen, war jedoch in gereiftem Schlamm nicht vorhanden.

 

Im Jahr 2023 wurde die Art erneut von Dr. Raffaella M. Zampieri am Fachbereich Biologie der Universität Padua (Labor von Prof. Nicoletta La Rocca) isoliert. Die Art konnte jedoch in Kultur nicht überleben und ist derzeit nur in ihrer natürlichen Umgebung beobachtbar.

 

 


Dieser Eintrag ist das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Biologie der Universität Padua und Teil des Digitalarchivs des Thermalstudienzentrums Pietro d’Abano, das mit Unterstützung der Gemeinde Montegrotto Terme (Beschluss des Gemeinderats Nr. 121 vom 17.07.2025) erstellt wurde.