Die Römer in den Thermen: Behandlungen, Gesundheit und Mode [Teil 1]

Mit der Romanisierung gewann auch ein anderer, wesentlicher Aspekt der Thermalwässer an Bedeutung: Ihre wohltuende und heilende Wirkung wurde aus ihrem streng religiösen Zusammenhang gelöst und verwandelte sich in ein lukratives “Geschäft”, auch wenn einige Aspekte beibehalten wurden, wie zum Beispiel in Fons Aponi, aber auch in anderen renommierten Thermen in Italien und in den Provinzen des Reichs.

 

Das Thermalwasser wird zu einer Ressource, die sowohl aufgrund ihrer gesundheitsfördernden und heilenden Eigenschaften genutzt wird, als auch rein zum Vergnügungen und für das körperliche und geistige Wohlbefinden. Thermalgebiete wie Baia in den Campi Flegrei und das euganeische Gebiet selbst werden zu renommierten Thermen, die gleichzeitig als Urlaubsorte und Heilstätten genutzt werden und sich in der antiken Literatur großer Bekanntheit erfreuen.

 

Aus den Literaturquellen geht hervor, dass es beim römischen Bürgertum zu einer wahren Mode geworden war, Baia aufzusuchen, um dort eine Zeit der Entspannung zu verbringen, die so genannte otia baiana, fern vom Alltag und oft auch außerhalb der Regeln des bürgerlichen Lebens: Luxus, Promiskuität und Freizügigkeit wurden zur Zeit des römischen Reichs zu einem Lebensstil, dem so genannten mos baianum, der durch die Besonderheit des Orts und das nur gelegentliche Aufsuchen möglich war.

 

Auch in Montegrotto passierte vermutlich das gleiche: Immer mehr Besucher strömten in die Therme, die nicht nur vom Heiligtum des Aponus angezogen wurden, sondern auch von einer neuen Organisation der Einrichtungen, die auf den Empfang und das Wohlbefinden der Gäste ausgerichtet waren.

 

Das Aussehen der Landschaft veränderte sich schnell und die zahlreichen Thermalquellen wurden systematisch in einer Reihe von Thermen genutzt, die sehr wahrscheinlich ohne eine präzise Ordnung entstanden, sondern einem einfachen aber praktischen Modell folgten: Jede Thermalquelle wurde über Stollen und Leitungen direkt mit einem oder mehreren Thermalbecken verbunden, während in unmittelbarer Nähe die Unterkünfte und die Freizeitstrukturen entstanden, wie zum Beispiel ein kleines Theater.

 

Insbesondere im 1. und 2. Jh. n. Chr. entwickelte sich das Gebiet immer mehr zu einem Wohngebiet, das fast schon zu einem Thermen-Vorort von Patavium wurde, von dem es aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf der Verwaltungsebene abhängig war. [Weiter]

 

Text written by Prof. Paola Zanovello, Department of Ancient Sciences, University of Padua

 

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